Chinas neue Helden

Chinas neue Helden

Die Realityshow "Win in China" zeigt eindrucksvoll, wie Innovation und Unternehmertum in China an Bedeutung gewinnen. In einer Spielshow konkurrieren Unternehmensgründer um den besten Businessplan und das erste Startkapital für die eigene Firma.


von Dominic Lehmann, M.A.

Das Jahr 2006 markierte den Beginn einer von der restlichen Welt kaum wahr-genommenen chinesischen Erfolgsgeschichte. Am Abend des 29. März strahlte die staatliche Fernsehagentur „China Central Television“ (CCTV) die erste Folge einer „Reality-Show“ mit dem Titel „Win in China“ (ying zai Zhongguo) aus. Unter dem Motto „Das Leben durch das entschlossene Hinstreben auf ein Ziel erhellen, das Schicksal durch das Dasein als Unternehmer verändern“ (lizhi zhaoliang rensheng, chuangye gaibian mingyun) stellten sich aus ursprünglich 120.000 Bewerbern schließlich 108  Kandidaten der Herausforderung, zu Chinas erfolgversprechendstem und überzeugendstem Unternehmer gekürt zu werden. Hierzu mussten die Kandidaten nicht nur jede Woche aufs Neue eine Jury von ihren Geschäftsplänen überzeugen und in Form von Wettbewerben ihre Fähigkeiten als Unternehmer unter Beweis stellen, sondern auch die Sympathie des Publikums für sich gewinnen. Dem glücklichen Gewinner stellte man ein Preisgeld in Höhe von 10 Millionen Yuan   in Aussicht, das als Startkapital für das eigene Unternehmen dienen sollte.
Was aber ist so besonders an dieser Sendung? Sie ist Ausdruck eines neuen Phänomens, welches sich seit mehreren Jahren immer stärker in der Politik und Gesellschaft Chinas ausbreitet. Lange vorbei sind die Zeiten, da die Menschen in China sich den Mustersoldaten Lei Feng zum Vorbild nahmen und ihre Liebe der sozialistischen Revolution und dem Vorsitzenden Mao schenkten. Chinas heutige Helden tragen Namen wie Yang Yuanqing, Geschäftsführer des PC-Herstellers Lenovo, Zhang Ruimin, Vorstandsvorsitzender der Haushaltsgerätefirma Haier oder Jack Ma, Gründer des E-bay-Konkurrenten Alibaba.com. Und nicht zuletzt sind es die Finalisten der erwähnten Fernsehsendung „Win in China“, die zum Vorbild vieler, überwiegend junger Chinesen geworden sind und, wie es die Produzentin Wang Lifen, ausdrückt, ihre Träume durch die Gründung eines eigenen Unternehmens verwirklichen wollen. 
Aber auch Chinas politische Elite hat bereits in der Vergangenheit die Begriffe „Entrepreneurship“ (qiyejia) und die „eigenständige Innovations-fähigkeit“ (zizhu chuangxin nengli) zum Kern ihrer Wirtschaftspolitik gemacht. So kam das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas im Jahr 2000 zu dem Schluss, dass Innovationen die Seele des wirtschaftlichen Wachstums einer Nation sind.  Nur ein Jahr später forderte der damals amtierende Staatspräsident Jiang Zemin während der Feier des 80-jährigen Bestehens der Kommunistischen Partei Chinas seine Parteigenossen auf, Privatunternehmer wieder in die Partei aufzunehmen. Nach der Niederschlagung der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens waren diese 1989 aus der Partei ausgeschlossen worden, da sie als Bedrohung für den Machtanspruch der Partei angesehen wurden.  Trotz heftigen Widerstands seitens des Ständigen Ausschusses des Politbüros setzte sich Jiang mit seiner Forderung durch, und die Privatunternehmer wurden wieder in die Partei integriert.

Der Volltext findet sich hier: http://www.asiastudies.de/asia/dokumente/Lehmann_China_neue_Helden.pdf

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